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Hopes Hoffnung

Von: Sophie Anna Reyer

DABLEIBEN. Seit einem Jahr lebt der 18 Jahre junge Hope Efosa nun schon in Graz. Wie er sich seine Zukunft denn vorstelle? MEGAPHON verkaufen, Deutsch lernen, aber vor allem: Fußball spielen.

Hope Efosa sei sein Name. Ja, wie die Hoffnung, wiederholt er nachdrücklich. Dass das da, wo er herkommt, nichts Außergewöhnliches sei, so zu heißen. Und hoffen tut er tatsächlich auch, nämlich auf Asyl in Österreich. Lacht er und seine dunklen Kastanienaugen blitzen kurz auf dabei. Der am 1. Juni 1992 in Igueben (Nigeria) geborene Hope Efosa lebt nun seit einem Jahr in einem Appartement in der Krausgasse in Graz. Wie er sich das denn finanzieren könne, frage ich und versuche zu verbergen, dass es mich beklommen macht, wie jung er ist. Er verkauft das MEGAPHON, hat eine fixe Lizenz. Steht dann jeden Tag da vor einem der Kaufhäuser in der Nähe des Augartens, für das ich – betont er mit schiefem Lächeln – bitte keine Werbung machen soll. Bei jedem Wetter. Die Zeitschriften unterm Arm. Der Blick wachsam. Dass die Menschen nett sind, die auf ihn zukommen. Hin und wieder werde er schon auch unfreundlich angequatscht, gibt er dann zu und grinst, aber seine fixen Käufer, die seien alle angenehm, ob jung oder alt. Ich bemühe mich, seinen englischen Akzent zu verstehen, höre dem Klang der dunklen Formanten nach. Seine Muttersprache ist Ishan, in der Schule aber werden die Kinder ausschließlich auf Englisch unterrichtet. Seine Familie besteht aus Vater, Mutter, einem jüngeren und einem älteren Bruder. Eine Schwester habe er auch gehabt. Die ist schon gestorben, sagt Hope. Sei das nämlich nicht so einfach mit dem Gesundheits­system in Nigeria. Erklärt er mir. Kurzes Schweigen. Ich blicke zu Boden. Was er sich für seine Zukunft denn vorstelle. In Österreich bleiben, MEGAPHON verkaufen, Deutsch lernen und – am liebsten – Fußball spielen. Was Hope denn an Österreich gefällt, frage ich ihn. Da können so wenige Leute auf so weitem Raum leben, antwortet er und strahlt, so was gebe es in Nigeria nicht. Das einzig Schlimme sei für ihn das mit dem Essen gewesen. Am Anfang. Da sei ihm wochenlang schlecht gewesen. Richtig krank sei er geworden von der österreichischen Küche, die sein Magen einfach nicht gewohnt war. Nur Kartoffeln und Reis habe er immer vertragen. Die Kartoffel schmecke nämlich so ähnlich wie die Yamswurzel, aus der seine Lieblingsspeise hergestellt werde: Fufu. Überhaupt, Fufu könne man süß essen oder salzig, es sei großartig. Und natürlich: mit Bananen. Wir lächeln einander an. Ob er denn noch was ganz Wichtiges zu sagen hat, frage ich die dunkelhäutige Hoffnung mit den breiten Lippen und den Kastanienaugen mir gegenüber, bevor wir hinausgehen, um uns für ein Foto in den Laub­regen zu stellen. Hope zwirbelt eine seiner Rasta­locken zwischen den hellen Handflächen. Ja, sagt er. Ich müsse unbedingt schreiben, dass die Polizei gut zu ihm sein soll. Dass sie ihn dalassen soll. Das wäre ihm wichtig. Mach ich, antworte ich und nicke ihm zu.

Sophie Anna Reyer, geboren am 20. Dezember 1984 in Wien. Publikationen: „geh dichte” (EYE-Verlag 2005), „vertrocknete vögel” (Leykam), „baby blue eyes” (Ritter) sowie „binnen (miniaturen)” (Leykam 2010). „Master of Arts” in Komposition/Musiktheater 2010 sowie Diplom in „Szenisches Schreiben” bei uniT 2010. Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Lichtungen”. Seit 2010 publiziert Sophie Reyer im S.-Fischer-Verlag für Theater und Medien.

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