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Brett vorm Kopf - Editorial

Von: Annelies Pichler

Manchmal fällt es uns wie Schuppen von den Augen – und die Welt ist wie neu geschaffen. Obwohl sich eigentlich nichts wirklich geändert hat. Nur die Art, wie wir auf etwas schauen, weil etwas in uns bewirkt hat, dass sich Denkbarrieren aufgelöst haben. Gewöhnlich sagen wir es einfacher. Das Brett vor dem Kopf ist weg. Und schon tun sich Weiten auf, die uns im ersten Schock sogar unendlich scheinen.

Da gibt es etwa das speziell zugeschnittene Brett „Flüchtlingslager“, das uns glauben macht, Flüchtlingslager seien nun einmal so, wie sie uns meistens präsentiert werden. Zeltlager, in denen Menschen auf engstem Raum darauf warten, dass sie wieder zurück oder in eine andere, hoffentlich bessere Zukunft können. Bedürfnisse dürfen sie zwar auch dort haben, aber bitteschön, auf ein Minimum beschränkt.
Ein verheerendes Bild, das die Realität formt – indem tatsächlich immer mehr Zeltstädte nach dieser Vorstellung gebaut werden. Wie es sein könnte, wenn dieses Brett vor unseren Köpfen fällt, das eröffnet sich im Interview „Lebensraum statt Zeltlager“ das unsere Redakteurin Elisabeth Pötler mit dem Planer Daniel Kerber geführt hat (Seiten 8 und 9).

Auch ein einfaches Etikett kann die Sicht auf die Realität schwer vernebeln. Ganz besonders jenes mit dem Ablaufdatum von Lebensmitteln. Das blockiert gleichzeitig auch unser Wissen, dass wir auch riechen und fühlen können. Denn egal, wie gut die Milch noch riecht, wie knackig der Salat und köstlich das Ei noch ist – ein relativ willkürlich festgesetztes Datum dirigiert frische Lebensmittel in den Müll. Ein findiger Brite ist angesichts der Armut, die so viele Menschen in seinem Umfeld betroffen hat und angesichts der Tonnen an Lebensmitteln, die tagtäglich weggeworfen werden, aktiv geworden – und hat mit seinem „Echtes Junk-Food Projekt“ eine kleine Revolution gestartet (Seiten 18 und 19).

Wir waren bei der Produktion dieser Ausgabe erstaunt, wie viel sich ändert, schon allein, wenn die Perspektive anders ist. Das zeigt sich in überraschend vielen Facetten und Schattierungen und wir hoffen, dass das Rütteln an eingefahrenen Denkmustern auch für Sie ein erfrischendes Erlebnis ist! Viel Lesevergnügen mit unserer Novemberausgabe!

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