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Auto unser

Von: Peter K. Wagner

In der Stadt fehlen die Parkplätze, auf dem Land die öffentlichen Verkehrsmittel. Carsharing bringt Bewegung in eingefahrene Strukturen – und freut auch die Umwelt.

Einsam und alleine – 23 Stunden am Tag. Nicht vom Fahr-, sondern vom „Stehzeug“ spricht der Verkehrsclub Österreich (VCÖ), wenn er an die durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer eines österreichischen Autos denkt. Eine Statistik, die Ruth Juric zu einem Urteil kommen lässt: „Es gibt zu viele Autos.“ Juric ist Sprecherin der Plattform carsharing247.com, der größten österreichischen Plattform des organisierten Autoteilens. Autoteilen, also Carsharing, gilt als Trend und ist dabei gar nicht so neu. Schon immer war es üblich, sich Autos zu borgen. Plattformen wie carsharing24/7 heben diese Idee auf eine neue Stufe. Seit Juni 2012 im Netz, ist die Website mit aktuell 4150 Nutzern und 365 Autos aus ganz Österreich die derzeit größte Carsharing-Plattform des Landes. Das System ist einfach: Man registriert sich online als Mieter/in oder Besitzer/in. Als Mieter/ in sucht man sich online verfügbare Autos – und schwärmt ins Stadtgebiet aus, wo die Fahrzeuge an verschiedenen Standorten zu finden sind. Wer sein Auto teilen möchte, der gibt seine Fahrzeugdaten ein und errechnet dank des Preiskalkulators einen fairen Preis für sein Auto – durchschnittlich ab 20 Euro pro Tag. Versicherungen können ebenfalls dazugekauft werden – zwischen 5 und 9 Euro kosten die, je nach Prämie und Leistung. Billiger als ein eigenes Auto ist das am Ende immer noch. Und nicht nur die Fahrer/innen profitieren, auch die Umwelt: Allein durch die Platt- form carsharing24/7 konnten im Jahr 2013 360 Tonnen CO2, eine Tonne NOx und 43 kg Partikel eingespart werden.
Doch nicht nur private Autos helfen der Umwelt,
indem sie geteilt werden. Car2Go etwa hat sich eine
eigene Fahrzeugflotte zugelegt. Diese Carsharing-Plattform ist zwar noch nicht in ganz Österreich, aber zumindest schon in Wien verfügbar und dabei vor allem eines: flexibel. Das Auto wird über Handy-App gefunden, per Code bekommt man den Schlüssel und abgestellt wird wieder dort, wo man abstellen will. 14,90 Euro kostet die Stunde, 69 € der ganze Tag. Ruth Juric sieht Anbieter wie Car2Go skeptisch. „700 neue Autos wie bei Car2Go entsprechen nicht unserer Philosophie. Vor allem, weil diese Autos den öffentlichen Verkehr ersetzen.“ Carsharing24/7 sieht sich nämlich klar als Ergänzung zu Bus oder Bahn. Daher ist auch der ländliche Raum ein wesentlicher Zielmarkt: „Viele Gemeinden haben gerade einmal einen Postbus. Wir werden in Zukunft daher nicht nur für Wohnsiedlungen, sondern für ganze Gemeinden Carsharing-Modelle anbieten.“ 
Wer sich für keinen Anbieter entscheiden will, der betreibt Carsharing einfach ganz privat – mit Musterverträgen, die die rechtlichen Rahmenbedingungen festlegen. Birgit Pichler lebt in Graz und praktiziert das schon seit 15 Jahren mit Nachbar/innen. „Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht“, erzählt sie zufrieden. „Es gibt zwei Modelle: Einer besitzt das Auto und kümmert sich um anfallende Kosten. Dann zahlt man als Mieter/in das gesetzliche Kilometergeld. Oder man kauft sich das Auto gemeinsam und teilt alle Aus- gaben.“ Alle Varianten eint: „Man braucht ein Grundvertrauen zu den Partner/innen.“ Und natürlich sei das Autoteilen nicht für alle Menschen geeignet. „Wer sein Auto nicht als Fortbewegungsmittel, sondern als Statussymbol sieht, wird es nicht teilen.“

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