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Kaum flügge, schon fort

Von: Harald Koberg

Wer in der Steiermark vom Filmemachen träumt muss schnell hinaus in die Welt. Zur Diagonale kommen viele von ihnen wieder nach Hause.

Viel Nettes bekommt man zu hören als Österreicher, wenn man außerhalb von Österreich auf Film-Liebhabende trifft. Hervorragende Filmschaffende hätten wir in unserem Land. So hart und gleichzeitig so gefühl-voll. Und tolle Schauspieler dazu. Und dann natürlich Graz mit seiner Diagonale; eine wunderschöne Stadt sei das, in die sich das Filmfestival allgegenwärtig einfüge. „Wohl wahr!“, möchte man da fast sagen, tut es aber nicht, um nicht übertrieben patriotisch zu wirken. Die große Erfolgsserie österreichischer Filme reißt in den letzten Jahren erfreulicherweise nicht ab und die Diagonale beglückt ihre Besucher jedes Jahr aufs Neue – die auswärtigen offenbar noch ein wenig mehr als die hiesigen.

Und der steirische Film? Die Frage liegt durchaus auf der Hand: Wie steht es um die Filmschaffenden aus dem Bundesland, das die Diagonale nun seit vielen Jahren beheimatet? Sie ziehen hinaus in die Welt, ist die Antwort. Und aus Wien, Berlin oder von sonst irgendwo kommen sie dann für den Zeitraum der Diagonale wieder zurück, um ihre Werke sehen zu lassen. Die prominenteren steirischen Namen finden sich bei der Diagonale 2013 in den Darstellerlisten. Johannes Silberschneider zum Beispiel. Er wurde im vergangenen Jahr mit dem großen Diagonale-Schauspielpreis ausgezeichnet, gehört zweifelsohne zu den bekannten Gesichtern des österreichischen, aber auch des deutschen Kinos und stammt ursprünglich aus Mautern in der Obersteiermark, auch wenn er gleich nach der Matura nach Wien zog, um Schauspiel zu studieren. Bei der Diagonale wird Silberschneider im ebenfalls hier beheimateten Film „Steirerblut“ von Wolfgang Murnberger („Der Knochenmann“, „Silentium“ etc.) zu sehen sein. In diesem ORF-Landeskrimi verschlägt es eine Ermittlerin in ihren Heimatort in der steirischen Provinz, wo sie einen Mörder sucht und allerlei Gestalten aus ihrer eigenen Vergangenheit findet.

Ebenfalls in „Steirerblut“ zu sehen ist ein ehemaliger Star des Grazer Schauspielhauses: Andrea Wenzel, die neben ihrer Karriere als Theaterschauspielerin auch beim Film immer mehr Fuß fasst. Acht Jahre lang war die Leibnitzerin durch ein festes Engagement an Graz gebunden und fast zeitgleich mit ihren ersten Auftritten auf der Leinwand verschlug es auch sie nach Wien und mittlerweile nach Deutschland. Bei der Diagonale ist sie trotzdem zu sehen. Nicht nur in Murnbergers ländlichem Krimi, sondern auch in „Grenzgänger“ von Florian Flicker, wo sie, an der Seite eines weiteren Steirers (Stefan Pohl), eine Frau in einer nervenaufreibenden Dreiecksbeziehung spielt.

Verwunderlich ist es freilich nicht, dass es lokale Film-schaffende generell in andere Gefilde verschlägt. Die Filmhochschule in Wien ist für viele der erste Treppen-absatz auf dem Weg ins Filmgeschäft, der ORF immer noch einer der wichtigsten Förderer des österreichischen Films und in Deutschland gibt es immer wieder gute Chancen, an einem Film mitarbeiten zu können. Die steirische Heimat ist dann eher Rückzugsgebiet und Kulissengeber, wenn sie nicht gerade, wie jeden Frühling, zum Zentrum des österreichischen Films erblüht.

Als Kind der steirischen Alpen bezeichnet sich auch Regisseur Matthias Zuder, den es nach einem Studium in Wien an die Hamburg Media School verschlug. Aber selbst aus dem Norden Deutschlands kehrt er für die Diagonale ans Südende der Alpen zurück; mit zwei kurzen Filmen, einem Spielfilm („Erbgut“) und einer Doku („Aus dem Auge“), im Gepäck, die sich beide auf höchst unterschiedliche Weisen mit der Last der Vergangenheit befassen.

Filme werden häufig als Traumwelten verstanden und diese Träume treiben viele, die vom Film fasziniert sind, hinaus aus ihrem gewohnten Umfeld, immer dorthin, wo es Chancen gibt, das kreative Potenzial umsetzen zu können. Und auch aus diesem Blickwinkel ist die diesjährige Diagonale sicher wieder höchst sehenswert: Um zu sehen, welche Geschichten so dringend erzählt werden mussten, dass sie die Mühe Wert waren.

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