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Mehr als Foul

Von: Peter Neumayr


In den vergangenen Wochen wurde wieder verstärkt über Rassismus im österreichischen Fußball diskutiert. Auslöser war ein Bundesligaspiel zwischen Sturm Graz und dem SV Ried, wo sich der Spieler Richard Sukuta-Pasu durch rassistische Äußerungen oberösterreichischer Fans provozieren ließ. Doch der Rassismus auf österreichischen Fußballplätzen sitzt viel tiefer.

„Ivo – jetzt bist du ein echter Österreicher!“ Als die Kronen Zeitung mit diesem Titel 1998 das WM-Tor des Ivica Vastic gegen Chi-le feierte, stellte sich wohl für viele eine berechtigte Frage: War er denn vorher kein Österreicher? Er hatte die österreichische Staatsbürgerschaft, war gefeierter Fußballstar und bereits regel-mäßiger Stammspieler der Nationalmannschaft. Trotzdem war er, zumindest in den Augen der Kronen Zeitung, immer noch ein Ausländer. Und wie es Ausländern am Fußballplatz oft ergeht, zeigen regelmäßig Eklats auf und neben dem Spielfeld. Rassismus am Fußballplatz ist kein neues Phänomen und weiter verbreitet, als es das sportliche Medienspektakel oft zugeben will. Das wissen nicht nur der österreichische Fußballbund (ÖFB), sondern auch die übergeordneten Stellen UEFA und FIFA. Deshalb haben sich die großen Sportverbände auch den Kampf gegen den Rassismus auf die Fahnen geheftet. Doch wie wenig erfolgreich die Anti-Rassismus-Strategien letztendlich auch in Österreich sind, zeigte das Spiel Sturm Graz gegen den SV Ried im vergangenen Monat.

Dort wurde Richard Sukuta-Pasu, Spieler bei Sturm Graz, Opfer von rassistischen Sprechchören. Fans des Bundesligavereins SV Ried quittierten die Spielaktionen des Deutschen mit französischen und kongolesischen Wurzeln mit Affenlauten und provozierten Sukuta-Pasu so weit, dass dieser nach einem Tor selbst provozierende Gesten gegen die Fans richtete und dafür eine gelbe Karte und eine Sperre kassierte. Im Gespräch kritisiert Su-kuta-Pasu vor allem den Schiedsrichter: „Ich bin sehr enttäuscht. Er ist der Einzige, der noch immer behauptet, nichts gehört zu haben.“ Die Reaktion des SV Ried begrüßt der Fußballprofi jedoch. Zwar habe der Verein in einer ersten Reaktion rassistische Äußerungen seiner Fans in Abrede gestellt. Später habe der SV Ried die Sprechchöre aber bestätigt und auch verurteilt. „So ein Thema lässt man nicht links liegen. Deshalb ist es auch gut, dass es jetzt so einen Wirbel darum gibt“, erklärt Sukuta-Pasu. „Wir leben in einer Zeit, in der so etwas nicht passieren darf. Das Schöne am Fußball ist doch, dass es keine Rolle spielt, woher man kommt.“

Rückendeckung bekommt Sukuta-Pasu von der steirischen Antidiskriminierungsstelle und der ÖFB-Initiative FairPlay. Der ÖFB hat ein Verfahren eingeleitet, bestätigt Bundesliga-Vorstand Georg Pangl: „Rassismus darf im Fußball keinen Platz haben.“ Bei weniger medienwirksamen Ereignissen zeigt sich der Fußballverband, in diesem Fall der steirische, weniger konsequent. Daniela Grabovac von der Antidiskriminierungsstelle weiß, dass Rassismus auch im Amateurfußball keine Seltenheit ist: „Wir glauben, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Derzeit beschäftigen wir uns mit zwei Fällen aus der Steiermark.“ Besonders ärgerlich seien dabei Fälle aus dem Jugendbereich. So gibt es in Graz-Umgebung einen Jugendtrainer, der seinen Spielern bei einem U12-Spiel wieder-holt „Deckt den Neger“ zugerufen haben soll. Trotz Protesten der Eltern und der anderen Trainer soll der Schiedsrichter nur die Schultern gezuckt haben. Auch die Schiedskommission des steirischen Fußballverbandes will nichts von einem rassistischen Vorfall wissen. „Es ist schlimm, dass der Verband solche Fälle nicht zugeben will. Das darf man nicht tolerieren. Gerade bei jungen Leuten muss man aufpassen. Für den Jungen ist das sicher eine schwierige Situation“, weiß Sukuta-Pasu. Von der Antidiskriminierungsstelle wurde in diesem Fall nun Anzeige nach dem Landessicherheitsgesetz erstattet. Das Verfahren ist anhängig. Sokuta-Pasu will in seinem Fall jedoch keine Anzeige er-statten: „Erst muss man herausfinden, wer hinter den rassistischen Äußerungen steckt. Sonst hätte eine Anzeige keinen Sinn.“

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